Seit dem Bestehen hat sich die Dorf und
Stadterneuerung und nunmehr Gemeindeentwicklung Salzburg
mit der Stärkung der Gemeinden und Regionen beschäftigt. Ein Rückblick auf die vergangenen Jahre
könnte auch unter dem Titel die „Erneuerung der Dorferneuerung“ stehen. Denn nach 15 Jahren, in
welchen mehr als die Hälfte der Salzburger Gemeinden an der Aktion „Dorf und
Stadterneuerung“
teilgenommen haben, wurde in mehreren Schritten die organisatorische und inhaltliche Neuausrichtung
geplant und durchgeführt. Deshalb auch der neue Name „Gemeindeentwicklung Salzburg“ und ein neues
Logo. Dies gleichsam auch als Antwort auf die Herausforderungen und neuen Aufgaben die für
Gemeinden und Städte aus der Beteiligung Österreichs an der EU wirksam geworden sind. Zunehmend
spielen Netzwerke und gemeindeübergreifende und regionale Zusammenarbeit eine bedeutende Rolle für
Gemeinden. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das heute alle Lebensbereiche betrifft, auch die Raumplanung
von Gemeinden und Regionen. Die Qualität von Projekten wird sowohl in ökologischer als auch in
wirtschaftlicher und gesellschaftlichkultureller
Hinsicht abgewogen. Start für die Entwicklung der neuen
Linie in inhaltlicher und organisatorischer Hinsicht war ein Zukunftsforum, gemeinsam mit Vertretern
verschiedener Abteilungen der Landesregierung und aktiven und engagierten Fachleuten und
BürgerInnen. Der Arbeits und
Vergabeausschuss bildete die Kerngruppe, welche die Aufgaben und
Schwerpunkte konkretisierte und das Konzept weiterentwickelte. In drei internen Workshops wurden die
Richtlinien der Gemeindeentwicklung nah diesen Ergebnissen ausgerichtet. In der bisherigen Dorf und
Stadterneuerung wurden viele Bereiche, wie Gemeinde, Gemeinschaft, Raumordnung und Wohnen,
Umwelt und Natur, Wirtschaft und Energie, Soziales und Gesundheit, Gestaltung, Verkehr, Kultur und
Bildung in den Gemeinden betrachtet. Das REK war dabei eine wichtige Planungsgrundlage. In der
Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und einer engagierten Bürgerbeteiligung wurden die
Bedürfnisse der Bevölkerung erhoben und die Gemeinden bei Projekte und Vorhaben unterstützt. In
vielen Bereichen konnten Prozesse zur Bewusstseinsbildung eingeleitet werden. Mit der Neuausrichtung
wurden aber neue Grundsätze definiert.
Grundsätze der Gemeindeentwicklung Salzburg
- Erstellung von Zukunftsprofilen und Leitideen mit den Gemeinden
- Aufgreifen von Zukunftsthemen (Region Lungau, Generationendorf, Bauen, Nachhaltigkeit, Gender
Mainstreaming
- Bewusstseinsbildung für konkrete Meilensteine
- Ausarbeitung von Schlüsselprojekten zur Positionierung der Gemeinde im regionalen Umfeld
- Themenbezogene Koordination von Initiativen auf Gemeindeebene
- Organisatorische und finanzielle Unterstützung von Projekten und Maßnahmen auf lokaler und
regionaler Ebene
- Umfassende Konzepte als Grundlage für die Entwicklung auf lokaler und regionaler Ebene
- Förderung von innovativen Modellprojekten, die für lokale und regionale Ebenen von Bedeutung sind
- Klare Zielvorstellungen, Kosten, Zeit und Finanzierungspläne als Grundlage für jedes Projekt
- Bürgerbeteiligung von der Projektentwicklung bis zur Umsetzung
- Bewusstsein für Prozesse schaffen, welche die Lebensqualität erhalten und weiter verbessern
- Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen
Ablauf
- Anmeldung der Gemeinden, Vereine...
- Stärken und Entwicklungschancen der Gemeinde in mehreren kurzen Workshops herausarbeiten
- GV Beschluss
zur Umsetzung
- Beratung im Beirat
- Aufnahme in das Programm
- Leitidee auf Basis der Stärken entwickeln (Motto der GuR)
- Schlüsselprojekt mit Begleitprojekten unterstützen
Das wird gefördert
- Öffentlichkeitsarbeit, Bildungsarbeit
- Bürgerbeteiligung
- Bestandsanalyse, Projektentwicklung und Konzepte
- Einzelmaßnahmen
Kriterien für die Förderung
- Klare Konzeptionierung
- Umsetzungschancen
- Bürgerbeteiligung
- Sozi-kulturelle Kriterien - Maßstabsgerechtigkeit des Projektes - Berücksichtigung von Interessen
förderungswürdiger Bevölkerungsgruppen - Bewusstseinsbildung
- Ökologische Kriterien – Emissionswirkungen - Auswirkungen auf den Naturraum - Umfang und Art des Ressourceneinsatzes
- Wirtschaftliche Kriterien - Wirkung während der Projekt und Umsetzungsphase - Dauerhafte Auswirkungen - Innovativer
Charakter und Originalität des Vorhabens
In einem Vergabeausschuss werden die Projekte begutachtet und Empfehlungen zur weiteren
Vorgangsweise erarbeitet. Um die Kontakte auf österreichischer und internationaler Ebene zu vertiefen ist
die Gemeindeentwicklung in der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung und der
Österreichische ARGE für Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung vertreten. Die europäische ARGE
versteht sich als Zusammenschluss von Regierungsvertretern, Wissenschaftern sowie
Dorferneuerungsexperten und Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Ziel ist der
internationale Erfahrungsaustausch, insbesondere auch zwischen den Ländern und Regionen der EU Mitgliedsstaaten.
In der Österreichplattform treffen sich Vertreter der jeweiligen Institutionen der
Bundesländer jährlich jeweils in einem anderen Bundesland zum Austausch von Informationen und
Erfahrungen. Besondere Projekte werden auf einer Exkursion vorgestellt und in Augenschein genommen
Schlüsselprojekte:
Architektur im ländlichen Raum
Ein Thema, das die Dorf und Stadterneuerung immer bewegt hat und auch für die Gemeindentwicklung
Salzburgs eine bedeutende Rolle beibehalten wird. In zahlreichen Workshops mit externen Fachleuten,
Architekten und Landschaftsplanern wurde diskutiert , welche Ansprüche und Erwartungen sowohl aus
Sicht der Planer als auch aus Sicht der Kunden, BürgerInnen, Eltern mit Kindern, Senioren usw.
bestehen. Dabei wurden nicht nur Qualitäten festgelegt, sondern auch Umsetzungsszenarien entworfen.
In einem Projekthandbuch wurden die einzelnen Schritte festgehalten. Mit der Durchführung von
Architektenwettbewerben Diskussionen und Themenkonferenzen wurden gestalterische Qualitäten
hinterfragt. Derzeit ist die Ausstellung „inausnach Salzburg“ in den Gemeinden des Landes unterwegs.
Handwerkspreis
Mitarbeit in der Jury zum Handwerkspreis – gemeinsam mit Wirtschaftskammer und Raiffeisenverband –
bei dem alljährlich besondere handwerkliche Leistungen in den verschiedenen Gemeinden Salzburgs
ausgezeichnet werden.
Mariapfarr
Die Gemeinde Mariapfarr wurde in der Konzepterstellung zum Raum und
Funktionsprogramm der
Wellnessanlage Samsunn unterstützt. Die Ortsgestaltung wurde in Verbindung mit der Auszeichnung der
Gemeinde mit dem Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ als Schlüsselprojekt definiert. Erste Schritte für die
Gestaltung des Umfeldes wurden gesetzt.
Gemeinde Seeham
In der Gemeinde Seeham konnte die Öffentlichkeitsarbeit zum ÖkoKulturprojekt „Teufelsgraben Seeham“
unterstützt werden. Mit der Entwicklung eines Folders zur Information der Einheimischen und Gäste und
der Aufstellung von Informationstafeln mit der Darstellung des Gesamtprojektes konnten wichtige Beiträge
geleistet werden.
Mit der Arbeitsgruppe zur Revitalisierung des Schmiedbauerngehöftes und des Stallgebäudes wurde ein
Konzept zur Nutzung der Bausubstanz erstellt. In Studienfahrten wurden Gebäude mit kultureller Nutzung:
Literaturhaus Salzburg Eizenbergerhof, Schloss Goldegg, Lohninghof Thumersbach/ Zell a. See,
Kammerlanderstall Neukirchen a G. s besichtigt. Besonders Studienfahrten bieten die Gelegenheit, durch
Gespräche vor Ort Wissenswertes über Projekte in anderen Gemeinden zu erfahren. Durch die
Einbeziehung in das Projekt Haus der Zukunft“mit dem Thema ökologische Sanierung und die Einbindung
in das EU-Interreg IIIB-Projekt „CRAFTS“ mit dem Schwerpunkt zur Revitalisierung unter Einsatz von
alten Handwerkstechniken unter Nutzung innovativer Technologien können auch zusätzliche finanzielle
Mittel aufgebracht werden. Derzeit läuft das Gutachterverfahren zur "Revitalisierung des
Schmiedbauerngehöftes und zur Gestaltung des Ortszentrums von Seeham.
Stadt Hallein – Revitalisierung der Altstadt
Die Revitalisierung der Ortszentren ist ein wichtiges Anliegen der Gemeindeentwicklung. Für die Halleiner
Altstadt wurde daher in einer Arbeitsgruppe zur Revitalisierung der Altstadt mitgearbeitet. Einen
Meilenstein war in diesem Rahmen die AltstadtEnquete
in Hallein, in der über mögliche Perspektiven
diskutiert wurde.. Auf Basis bisheriger Studien und Arbeiten wurde gemeinsam mit der Gemeinde Hallein
eine grobe Wirtschafts und
Strukturanalyse durchgeführt. Ziel ist ein Leitfaden für die Halleiner Altstadt
und ein Konzept für eine Struktur zum Aufbau eines Altstadtmarketings.
Gemeinde St. Georgen
Ortsgestaltungskonzept: Beratung und Unterstützung der Gemeinde und des Arbeitskreises,
Leistungsbeschreibung; Studienfahrt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Gestaltung der
Freiräume und Grünbereiche sowie den Gesamtzusammenhang des Ortsraumes gelegt. RendlHaus
In
zwei Workshops wurden eine Auswahl von Themen, die vermittelt werden sollen, ein Raumkonzept und
ein Maßnahmenplan für die weiteren Schritte erarbeitet.
Vorstellen des Konzeptes für das GeorgRendlHaus
im Rahmen des ersten GeorgRendlSymposions.
Gemeinde Hintersee
Projektbegleitung zum Naturlehrund
Themenweg der Gemeinde Hintersee. Die Umsetzung der Planung
ist – gemeinsam mit der Schule in Hintersee – in Arbeit, der Weg wird im Sommer 2004 eröffnet werden.
Vorbereitung der Nutzungsstudie für das Mesnerhaus in Hintersee
Mühlenwanderweg Zederhaus
Mit Unterstützung durch die Dorferneuerung wurden in der Gemeinde alte Mühlen saniert und im Mai
2001 ein Mühlenwanderweg feierlich eröffnet. In den Mühlen wird Interessantes und Sehenswertes zum
Thema präsentiert und im Rahmen des D2Projektes
wurde mit Unterstützung durch die EU ein Folder
dazu zusammengestellt. Ein Videofilm „Vom Korn zum Brot“ dokumentiert die Verarbeitung des Korns.
Naturpark Riedingtal
Projektmanagement zum Naturpark Riedingtal in der Gemeinde Zederhaus. Die Planungs und
Entwicklungsarbeiten für den Naturpark wurden in bewährter Zusammenarbeit der Gemeinde Zederhaus,
des Landschaftsplanungsbüros Revital, der Grundeigentümer und von Betroffenen abgeschlossen.
Gemeinsam mit den örtlichen Interessensvertretern, der Fachabteilung für Naturschutz und dem
Regionalbüro für den Lungau, dem Toruismusverband und der Dorf und
Stadterneuerung wurden die
ersten Bausteine des Gesamtkonzeptes umgesetzt: z. B. Logowettbewerb, Aussichtsplattform
„Brünnwaldquellen“, Folder, Rundwanderweg Schlierersee. Mit einem schönen Fest wurde der Naturpark
im Juli 2003 eröffnet.
Studie zum Nationalpark-Museumsdorf Felben
In den Gemeinden Mittersill und Stuhlfelden ist ein Nationalparkzentrum geplant, in welchem Kultur,
Geschichte, Naturraum, Klima und die vielfältigen Entwicklungen der NationalparkRegion
erforscht und
vermittelt werden. Die Gemeindeentwicklung Salzburg berät und begleitet die Projektentwicklung zum
NationalparkMuseumsdorf
Felben und des Dokumentationszentrums.
Kulturkataloge
„sehen, denken, formen“ – der Untertitel der Kulturkataloge verdeutlicht den Prozesscharakter des
Projektes, der durch die Arbeit in und mit Gemeinden und BürgerInnen in Gang gesetzt wird.