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Erneuerbare Energie
und Regionalentwicklung
Unter Leitung von Frau Dipl.-Ing. Christine Stadler, Projektmanagement "Regio
Market-Lebensraum Lungau", SIR (Salzburg) und Herrn Ing. Herbert Spreitzer,
Obmann der Produktgruppe Erneuerbare Energie und Vorsitzender der Erstes Ziel war der Besuch des Weizer Energie-Innovations-Zentrum (W.E.I.Z.) in Weiz-Gleisdorf. Dessen Geschäftsführer, Dipl.-Ing. Franz Kern, erläuterte die Zielsetzungen des Hauses. WEIZ versteht sich als Konsultations- und netzwerkorientiertes Kompetenzzentrum zur wirtschaftlichen Impulsgebung und Innovation in Südost-Europa im Bereich Forschung, Planung und Produktentwicklung. Der Schwerpunkt lieg im Bereich Energie, insbesondere in den Bereichen Energie-Sparen und Erneuerbare Energieträger.
Zu den regionalpolitischen Zielsetzungen in Weiz zählt eine autarke Energieversorgung mit erneuerbarer Energie unter Einsatz von Photovoltaik, Solarenergie und Block-Heizkraftwerk-Technik. Weiz steht in engem Kontakt mit Wirtschaftsunternehmen und Forschungsinstitutionen. Zu den Kooperationspartnern zählt namentlich auch die Joanneum Research, Institut für Nanostrukturierte Materialien und Photonik, (Koordinatoren: Univ.-Prof. Dr. Walter Papousek, Univ.-Prof. Dr. Günther Leising) mit Forschungsschwerpunkten in Optoelektronik, organischen Bauelementen (Laser, Solarzellen, Photodetektoren, Leuchtdioden, Lichtleiter) und Sensorentechnologie). Das Weizer Energie-Innovationszentrum ist als erstes Bürohaus Mitteleuropas in Passivhausbauweise errichtet worden und weist einen Energieverbrauch von 15 kWh/m²a auf. Besichtigt wurde in Weiz auch das "Gemini-Haus", das erste drehbare Plus-Solar-Energie-Wohnhaus Europas. Der zylindrische Bau selbst besteht ganz aus Holz. Weitere Bauelemente sind Glas (dreifach Isolierglas) und Aluminium (Schiebetür-Rahmen). Die Baukomponenten zeichnen sich durch eine optimierte Gebäudehülle mit hoher Luftdichtheit, ein Erdregister und eine effiziente Wärmerückgewinnung aus.
Als nächster Programmpunkt fand eine Besichtigung der Pflanzenölproduktion des
regionalen Energieversorgungsunternehmens BHKW statt. Pflanzenöl lässt sich
vom Landwirt aus verschiedenen Ölsaaten direkt vor Ort auf einfache Art
pressen. Dem Dieselöl kann das gepresste Pflanzenöl bis zu max. 50% zugemischt
werden, ohne den Kraftfahrzeugmotor unbedingt umrüsten zu müssen. Dem Vorteil
einfacher Herstellung vor Ort stehen allerdings eine Reihe anwendungstechnischer
Nachteile gegenüber. Hierzu gehören unbefriedigende Startereigenschaft der
Motoren bei niedrigeren Außentemperaturen (ungünstige rheologische
Fliesseigenschaften des Einen weiteren Schwerpunkt der Exkursion bildete die Besichtigung verschiedener Anlagen im Bezirk Güssing in unmittelbarer Nähe der ungarischen Grenze. Das "Energieautarke Modell Güssing wurde von Frau Dr. Daniela Augustin präsentiert. Schwerpunkte dieses Modells bilden das Technologiezentrum, das Biomassekraftwerk und die Fernwärmeanlage.
Im Biomassekraftwerk werden Holz-Hackschnitzel ausschließlich aus bezirkseigenen Waldbeständen des Waldverband Güssing bei 850 - 1100 °C in einem mit Quarzsand (SiO2 ) beschickten Reaktor vergast. Das Gas wird in das Fernwärmeversorgungsnetz eingespeist. Der Rückstand wird verbrannt und thermisch (über eine Wasserdampferzeugung) zur Stromerzeugung genutzt. In einer weiteren Pilotanlage werden nach dem im zweiten Weltkrieg entwickelten Fischer-Tropsch-Verfahren Kohlenwasserstoffe für Treibstoffzwecke hergestellt. Die seinerzeit eingesetzten, prozesstechnischen Verfahrensdaten wurden hierbei nicht geändert. Das Energie-Modell Güssing hat bereits wenige Jahre nach Einführung des Energiekonzepts einen arbeitsmarktpolitisch bemerkenswerten Schub entwickelt: Mussten ursprünglich 70 % der arbeitenden Bevölkerung als Pendler auswärtige Arbeitsstellen suchen, so reduzierte sich dieser Prozentsatz inzwischen auf die Hälfte. Unterstützt wird dieser positive Trend durch ein vergleichsweise dichtes Angebot an Ausbildungsmöglichkeiten im Bezirk Güssing: Gymnasium, Fachschulen, Höhere Technische Lehranstalten, Fachhochschule. Abschließende Besuche galten der Fernwärmeanlage Urbersdorf (Kopplung von Solaranlage und Hackschnitzelverarbeitung), sowie die Biogasanlage Strem. In letzterer wird Weidegras fermentiert und das gewonnene Gas in das Fernwärmenetz eingespeist. Von der verbleibenden Maische wird der Flüssiganteil abgetrennt und in den Fermenter zurückgeführt. Der trockene Rückstand (Trester) wird als Düngemittel auf den Feldern aufgebracht.
St. Georgen ob Murau, 08. August 2006 Verfahrenstechnische Angaben zur Fischer-Tropsch-Synthese: http://de.wikipedia.org/wiki/Fischer-Tropsch-Verfahren |