Vortagsveranstaltung
ALPENFOUM Deutschland e. V.
am 20. April 2007 im Steigenberger Hotel, Bad Homburg v.d. H.
"ERNEUERBARE ENERGIE HEUTE UND MORGEN'"
Einführung: Zukunft Erneuerbare Energie
(Abstract)
Ian C. Meerkamp van Embden,
(Erster Vorsitzender ALPENFORUM Deutschland e. V.).
Erneuerbarer Energien tragen zur Zeit weltweit 13, 5 %, bei uns in
Deutschland rund 5 % und im EU-Durchschnitt 6 % zur Energiebereitstellung bei.
Bei Fortschreibung der heutigen Situation wird der Weltenergieverbrauch in 20
Jahren 60 % über dem heutigen Stand liegen, und die fossilen Energieträger
müssten auch dann immer noch rund 4/5 des globalen Energiebedarfs decken.
Es gibt jedoch ermutigende Länderbeispiele, die zeigen, dass eine
Fortschreibung der bisherigen Entwicklung keineswegs zwangsläufig erfolgen
muss. Zu solchen Ländern in der EU zählen beispielsweise Schweden oder
Österreich.
Es ist außerdem nicht auszuschließen, das ein Teil oder möglicherweise sogar
der gesamte Umfang der Zuwachsraten an Energieverbrauch durch Maßnahmen der
energetischen Effizienzsteigerung und durch Sparmaßnahmen kompensierte werden
kann.
2005 wurde in Deutschland rund 70 % der Primärenergiebereitstellung aus
erneuerbarer Energie aus der Verarbeitung von Biomasse (zur Produktion biogener
Brennstoffe für die Wärme- und Stromerzeugung, sowie zur Umwandlung in biogene
Kraftstoffe) erzeugt. Es folgte die Windenergie mit 14,5 %, die Wasserkraft mit
11,8 %, die Solarthermie mit 1,6 %, die Geothermie mit 0,9 % und die
Photovoltaik mit 0,5 %.
Die EU - Kommission forderte zunächst eine Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energie von 6 auf 12% bis 2010 . Sie hat diese Zielvorgabe in ihrem am 10. Januar 2007 verabschiedeten Energiepaket auf 20 % bis 2020 erhöht.
Ebenso wichtig wie die gesicherte Deckung des Energiebedarfs ist die
Vermeidung eines überflüssigen Energieeinsatzes. Viele sind immer noch der
Meinung, man könne da als Einzelner ohnehin nicht viel ausrichten. Diese
Auffassung ist unzutreffend.
Der durch Standby verbundene Stromverlust beziffert sich in privaten deutschen
Haushalten auf rund 20 TWh pro Jahr. Das entspricht 15 % des gesamten
Stromverbrauchs aller deutschen Haushalte.
!Eine überschlägige Rechnung zeigt, dass durch den verstärkten Einsatz von
Energie-Sparlampen allein in deutschen Haushalten mit rund 70 TWh mühelos ein
Drittel des Stromverbrauchs bei der Beleuchtung entfallen würde.
Das bei weitem wichtigste Potenzial einer sinnvollen Begrenzung des
Strombedarfs in deutschen Haushalten betrifft den Energieeinsatz zur Heizung und
auch zur Kühlung der Wohnung .
Der Raumwärmebedarf im deutschen Wohnungsbestand beträgt durchschnittlich g.
225 KWh/m²a. Nur 5 % der deutschen Haushalte verbrauchen derzeit weniger als 70
KWh/m²a. Ein Passivhaus benötigt lediglich 10 - 13 KWh/m²a.
Die Bundes- und Fachgremien gehen von einer Erhöhung des Beitrags zur Stromerzeugung in Deutschland durch erneuerbare Energie bis 2020 auf 30 - 35 % und damit einer knappen Verdreifachung des heutigen Leistungsbeitrags aus. Hier spielt sich bei der Nutzung regenerativer Energie - nach außen kaum erkennbar - eine Art stille technologische Revolution ab.
Ein entscheidender Aspekt darf nicht unerwähnt bleiben, nämlich die durch
diese Entwicklung verbesserte Arbeitsmarktlage.
2006 betrug die Zahl der Beschäftigten im Bereich regenerative Energie in
Deutschland rund 170 000. Geschätzt wird, dass sich diese Zahl der
Arbeitsplätze bis 2020 verdoppelt haben wird.
Zusammenfassend komme ich zu folgender Bewertung :
Jeder Einzelne kann einen signifikanten Beitrag zur Entlastung des
Energiebedarfs leisten. Das damit verbundene Sparpotenzial wird von der
deutschen Energie-Agentur auf jährlich rund 2.200,- € pro 4-Personen Haushalt
in Deutschland beziffert.
Die Bundes- und Fachgremien projektieren für 2020 einen Beitrag von oberhalb 30
% der deutschen Stromerzeugung durch erneuerbare Energie. Die Frage, wie der
erforderliche Energiemix in den nächsten Jahren zusammengesetzt sein wird,
hängt stark davon ab, ob dieser Beitrag bis 2020 tatsächlich erreicht werden
kann.
Unbeschadet hiervon ist festzustellen, dass sich die deutsche Wirtschaft im
Bereich der erneuerbaren Energie global eine technische Spitzenposition
erarbeitet hat.
Die damit wirtschaftlich und ökologisch optimal gebotene Chance sollten wir
nutzen, wenn wir den erkennbaren Konsequenzen des Klimawandels und einer
zunehmenden Abhängigkeit von politisch fragwürdigen Energielieferanten
glaubwürdig entgegen treten wollen.