Österreichischer Rundfunk ORF Ö-2
Landesstudio Steiermark - 12. April 1996 - "Autofahrer unterwegs - das weiß-grüne Mittagsmagazin" (Sendungsteil "Aus dem Land - für das Land" - 11:05-11:30)
Maßnahmen zum Schutz des gefährdeten Lebensraumes Alpen
Das biologische Gleichgewicht in unseren Alpen ist durch viele Formen der Naturzerstörung, hauptsächlich durch den Verkehr, akut gefährdet. Das internationale Alpenforum mit Sitz in St. Georgen ob Murau kämpft gegen die Zerstörung des alpenländischen Lebensraumes an. Diese Woche gab es in St. Lorenzen ob Murau eine hochkarätige Veranstaltung zur Alpenkonvention, einem internationalem Vertrag zum Schutz der Alpen.
Österreich ist ein klassisches Alpenland, aber auch unsere Nachbarn Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Italien oder Slowenien werden unmittelbar von den Alpen berührt. Die Empfindlichkeit und Komplexität des Lebensraumes Alpen ist lange Zeit unterschätzt worden und der Umgang mit den Alpen ist noch immer vielfach zerstörerisch. Im obersteirischen Ort St. Georgen ob Murau hat sich vor eineinhalb Jahren das internationale Alpenforum zum Schutz der Alpen gegründet.
Bei der jüngsten Veranstaltung dieses Forums war Josef Loibner mit dabei:
Zunächst ein Satz zum Alpenforum selber: Es hat seinen Sitz deshalb in St. Georgen ob Murau, weil der Präsident hier einen Zweitwohnsitz hat, Dr. lan Meerkamp van Embden, Manager im Ruhestand, zuletzt einer der führenden Köpfe in der deutschen Chemieindustrie..
"Die jüngste Veranstaltung stand unter dem Zeichen der sogenannten Alpenkonvention, das ist ein internationaler Vertrag zum Schutz der Alpen, ein Vertrag allerdings, der derzeit eine sehr kritische Phase durchläuft", sagt Dr. Meerkamp van Embden.
Dr. Meerkamp: "Es gibt massive Konflikte in der Interessenlage zwischen den einzelnen Nationen und innerhalb der einzelnen Nationen auch in einzelnen Regionen, man denke etwa nur an die gravierende Problematik des Transitverkehrs und an die spezielle Rolle etwa in Tirol verbunden mit der dortigen Transitproblematik. Das sind alles gravierende Fragen, man denke an die Rolle in der Schweiz oder auch an die in Deutschland."
Loibner: "Was würde es denn aus Ihrer Sicht bedeuten, würde die Alpenkonvention nicht unterzeichnet, jetzt im Hinblick auf den Artenschutz, auf den Mittelstand, usw., alles Dinge, die Sie vorhin genannt haben?"
Dr. Meerkamp: "Ich fände das ausserordentlich bedauerlich. Wir sehen hier eine ganze Reihe von Protokollen, bei denen wir einen Schritt weitergekommen sind, durchaus, etwa im Bergwaldprotokoll, das ist ein gutes Beispiel dafür. Es gibt leider auch andere Beispiele, und das gravierendste negative Beispiel ist im Augenblick die Problematik des Verkehrsprotokolls."
Tatsächlich wirft gerade das Verkehrsproblem in den Alpen die Signatarstaaten in ein Dilemma. Während oben am Gipfel das Edelweiss-Pflücken unter Strafe steht, herrscht unten im Tal die totale Asphaltfreiheit. Oder: Auf der einen Seite will man den Strassenverkehr im Alpenraum einschränken, auf der anderen Seite wird gerade in diesen Tagen der Strassenbau angekurbelt, um der lahmenden Bauwirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Mag. Reinhard Gschöpf, von der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA, ist mit diesem Dilemma natürlich vertraut, weiß aber gleichzeitig, daß die Alpen die derzeitige Belastung nicht mehr allzu lange aushalten.