Murquell
Lebensraum, Biosphärenregion Lungau-Nockberge-Murau
Anlässlich
einer Wettbewerbsauschreibung der CIPRA 2005 hat das ALPENFORUM sein
Projektkonzept Biosphärenregion Lungau-Nockberge-Murau vorgestellt. Nachfolgend
die bei der CIPRA eingereichte Fassung.
Themen
Region Südösterreich und Westösterreich / (Österreich);
Laufzeit: 01.01. 2005 - 12.-01. 2010
Kurzbeschreibung:
Das Projekt „Biosphärenpark“ soll Entwicklungsbedarf und Schutzinteresse in
den Regionen bündeln und zwar so, dass die oft vermuteten Schwächen dieser
Region in Wahrheit ihre besonderen Stärken darstellen. Die Region als ökologisch
intaktes System von Hochtälern (Quellgebiet der Mur) ist ein von nachhaltigen
Wirtschaftsformen geprägtes, dünn besiedeltes Siedlungsgebiet. Ausgewiesen
werden als Kernzone bereits bestehende Schutzgebiete Landschaftsschutzgebiete
als Pflegezone, sowie eine Entwicklungszone- für die nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung der Region.
Projektträgerin/Projektträger:
Die Arbeitsgemeinschaft "Murquell Lebensraum" umfasst folgende
ProjektträgerInnen:
ALPENFORUM International, Nationalpark Nockberge,Tälerbusprojekt, Lungauer Frauennetzwerk, Kulturinitiative Ramingstein, Gemeinden Thomatal, Ramingstein und St. Margarethen.
Verantwortliche/r
:
Kontaktperson: Frau Elisabeth Löcker
Lungauer Frauen Netzwerk
sauschneider@sbg.at
Budget:
250.000,- Euro
Beteiligte:
Dr. DI Ian C. Meerkamp van Emden - Alpenforum International, Ing. Dietmar
Rossmann - Nationalpark Nockberge, Dr. Emil Hocevar – Tälerbusprojekt,
Elisabeth Löcker - Lungauer Frauennetzwerk, Johann Bogensberger
-Kulturinitiative Ramingstein, Bgm. Valentin König - Gemeinde Thomatal.
Was ist mit Gemeinde St. Margarethen?
Ziele:
Die Regionen sind in ihren Bundesländern Kärnten, Salzburg und Steiermark
als wirtschaftlich benachteiligte Randregionen mit land-, forst- und
almwirtschaftlich geprägter, kleinräumiger Wirtschaftsstruktur bekannt. Das
UNESCO Prädikat „Biosphärenreservat kann die dort lebenden Menschen in ihren
Bemühungen unterstützen, die Vorteile und Stärken der Region heraus zu
arbeiten und sich auf ökologisch, wirtschaftlich und soziokulturell sinnvoller
Grundlage nachhaltig zu entwickeln.
Die praktische Bedeutung der Biosphärenidee umfasst eine Fülle von Bereichen, angefangen von der land- und forstwirtschaftlichen Primärproduktion über nachhaltige Tourismusformen, die Holzverarbeitung, die Architektur und Bauwirtschaft, das Handwerk, das Kleingewerbe und die mittelständische Wirtschaft, eine nachhaltige Energiegewinnung. (insbesondere Biomasse-Fernheizungen, Solarenergienutzung, Kleinwasserkraft und Windenergie), nachhaltige alternative Verkehrssysteme - teilweise unter Anwendung modernster Technologien - , sowie umweltbezogene Forschungsvorhaben.
Aktivitäten:
Einrichtung einer bereichsübergreifenden Projektbetreuung- und Steuerung,
Aufbau von projektorientierten Arbeitsgruppen, fachorientierte Vortragstagungen.
Information und Kommunikation auf dem Gebiet der Konzeption und Implementierung
einer Biosphärenregion. Exkursionen zu Orten mit nachhaltiger
Regionalentwicklung. Vorbereitung wissenschaftliche orientierter Arbeiten auf
dem Gebiet der Regionalentwicklung und des Gesundheitswesens,
Forschungsaktivitäten im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes, des
Klimawandels und der damit verbundenen Auswirkungen auf Habitat, Fauna und
Flora, den Wasserhaushalt und die verstärkte Nutzung nachwachsender Ressourcen.
Ergebnisse:
Das Projekt fördert die gezielte Entwicklung nachhaltiger Wirtschaftsformen.
Neue Ideen und neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und des Arbeitens werden
freigesetzt. Bewährte land- und forstwirtschaftliche Strukturen und
die klein- und mittelständisch orientierte Wirtschaft sollen
erhalten bleiben. Damit soll deren multifunktionale Bedeutung für das
Zusammenleben und den Kulturerhalt verdeutlicht werden, ohne dass
zukunftsorientierte Entwicklungschancen für die Region auf technischem und
wirtschaftliche Gebiet verbaut werden. Damit wird ein neues,
grenzüberschreitendes Identitätsbewusstsein der Regionen aufgebaut und gestärkt.
Einsatz
Preisgeld:
Installation einer Projektkoordination, Kommunikation und Information für die
Bevölkerung mittels Arbeitsgruppen, Vorträgen, Tagungen, Informationsschriften
und elektronischer Dokumentation (Internet!), gezielte Öffentlichkeitsarbeit
unter Einbeziehung der Medien, sowie Förderung spezieller
Einzelprojektvorhaben im Rahmen des Gesamtprojektes.
Auswirkungen
auf Natur und Umwelt:
Organisation, Koordination und Weiterentwicklung der bestehender Schutzgebiete
und der wirtschaftlichen Entwicklung unter dem gemeinsamen Dach des Biosphärenparks.
Erhaltung und gesetzlicher Schutz für bestehende Naturzellen. Eine
nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ist mit einer Beibehaltung der naturräumlichen
Vorraussetzungen verbunden. So muss beispielsweise der Tourismus für sich
selbst erkennen, dass die Erhaltung der Natur und Kulturlandschaft die Grundlage
einer nachhaltigen Entwicklung bildet.
Wirtschaftlicher
Mehrwert:
Besondere Bedeutung wird der „Dachmarke Biosphärenregion“ für die
Tourismusbranche und für die landwirtschaftlichen Zulieferer beigemessen.
Grundsätzlich verleiht diese Marke aber ganz generell der Region ein
besonderes Profil. Gesunde, hochwertige Qualitätsprodukte aus der
regionalen Landwirtschaft und eine innovative Produktpalette
aus der klein- und mittelständischen Wirtschaft erhöhen die Wertschöpfung
für die gesamte Region. Die Kombination geschlossener Wirtschaftskreisläufe in
der Land- und Forstwirtschaft (Vermarktung regionaler Produkte über
regionale Abnehmer) und deren Verknüpfung mit einer klein- und mittelständisch
strukturierten Wirtschaft bilden eine gesunde Basis für eine nachhaltige
Regionalentwicklung unter Einbeziehung moderner Hightech-Produktion
und innovativen Dienstleistungen auch außerhalb der Tourismusbranche.
Impulse hierzu vermittelt eine mit der regionalen Wirtschaft eng verbundene
Forschungs- und Entwicklungstätigkeit.
Sozio-kultureller
Mehrwert:
Die Biosphärenidee soll zu
einem neuen Selbstbewusstsein der Region führen, wobei nicht nur der Stolz über
die eigene, unverwechselbare Alpenlandschaft und deren Naturschönheit,
sondern auch das Verständnis für das hier einzigartige Kulturgut und
Brauchtum gestärkt wird. Dies umfasst auch eine Fortschreibung zeitgenössischer
Kunst und Kulturformen. All dies soll unter dem Dach des Biosphärenprojektes
als Identität stiftender Faktor gefördert und gepflegt werden. Die noch
vorhanden sozialen Strukturen des „Dorflebens und Miteinanders“ sollen verstärkt
dazu beitragen, der gegenwärtigen Tendenz der Vereinsamung der Menschen und
einer Verkümmerung dörflicher Strukturen entgegen zu wirken.
Innovationsgehalt:
Ein Biosphärenprojekt umfasst auch die Einbindung in ein Netzwerk
begeleitender, weltweiter Forschungsaktivitäten. Mit einer gezielten,
innovativen Forschungs- und Entwicklungstätigkeit gewinnt die
Region Modellcharakter für nachhaltiges Wirtschaften. Ein wichtiges
Merkmal dieser innovativen Elemente im vorliegenden Projektvorhaben bildet die
enge Verflechtung von Forschung und wirtschaftlicher Tätigkeit in der Region,
wobei insbesondere auf die Nutzung regionaler Ressourcen zurückgegriffen wird.
Good
Governance:
Die Vermittlung umsetzbarer Ergebnisse aus den Arbeitskreisen erleichtert
die Willensbildung in der breiten Bevölkerung. Die Einsetzung von
Arbeitskreisen erfolgt mit thematisch klar vorgegebener Zielsetzung. In die
Arbeitskreise werden sowohl fachkundige Persönlichkeiten als auch Laien
delegiert. Sie vertreten einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung.
Die Arbeitsgruppen der Region Nockberge beispielsweise führten im letzten
Jahr 28 Arbeitssitzungen zu projektorientierten Themen durch.
Öffentlichkeitswirksamkeit:
Information der Bevölkerung durch Kommunikations- und
Informationsveranstaltungen sowie Vorträgen und Tagungen. Aufbau einer
permanenten Informationsschiene zwischen Bevölkerung und Entscheidungsträgern.
Projekte wie beispielsweise "Der Echte Speik" entstehen in
Zusammenarbeit von Wissenschaft, Tourismus und Gewerbe
Multiplikatoreffekt
/ Vernetzung:
Die Vernetzung der Initiativen in der Region stärkt das Umsetzungspotential.
Durch den internen und externen Austausch der Ergebnisse der verschiedenen
Arbeitgruppen entsteht ein bereichsübergreifendes , zusammenhängendes Denken
in der Region. Durch das Netzwerk der weltweiten Biosphärenpark-Forschung
erfolgt der internationale Austausch in allen Fragen nachhaltig orientierter
Regionalentwicklung.
Übertragbarkeit:
Ein wichtiges Element der Übertragbarkeit bestimmter Erfahrungen und der
Auswertung innovativer Impulse können aus sinnvoll genutzten Möglichkeiten
einer Kooperation innerhalb mittelständischer Unternehmen entstehen.
Gerade auf diesem wirtschaftspolitisch enorm wichtigen Bereich stellt die Biosphärenregion
ein noch weitgehend ungenutztes Potential einer nachhaltig orientierten
Regionalenwicklung dar. Biolandwirtschaft, sanfte Mobilität, nachhaltiger
Tourismus, Allergie- und Höhenmedizin, nachhaltige Energieversorgungssysteme,
innovative Telekommunikationssysteme, moderne Holzverarbeitungstechniken oder
eine verstärkte Nutzung nachwachsender Ressourcen sind grundsätzlich
auch in anderen Regionen anwendbar bzw. transferierbar.