In Memoriam

Ian C. Meerkamp van Embden (1929-2007)
Dr. Dipl.-Ing. Ian C. Meerkamp van Embden starb unerwartet und sanft am 19. August 2007 in seiner zweiten Heimat, der Steiermark. Geboren in Indonesien als niederländischer Staatsbürger, besuchte er in der Schweiz das Gymnasium und studierte mit einem Abschluss als Dipl.-Ing. chem. an der ETH Zürich. Es folgten Jahre in den Unilever-Zentrallaboratorien, Vlaardingen (1953-1959) und die Promotion zum Dr. rer. nat. am chemischen Institut der Universität Freiburg im Breisgau (1959). Anschließend war er bis 1972 technischer Geschäftsführer der Schuchardt GmbH und Co KG in München. 1972 bis 1979 war er Abteilungsdirektor der Metallgesellschaft AG in Frankfurt am Main, in dessen Umgebung er mit seiner Familie auch den Hauptwohnsitz verlagerte, nach Bad Homburg.
Dr. Meerkamp van Embden war immer schon vielfältig gesellschaftlich engagiert, wobei wirtschaftliche, soziale und ökologische Fragen eine Einheit bildeten, die wir heute als Nachhaltigkeit bezeichnen. Es war daher sicherlich kein Zufall, dass er 1980 die Berufung zum stellvertretenden Leiter des Referats Technik und Umwelt des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) mit Sitz in Frankfurt annahm. Die Diskussion um die negativen Auswirkungen von Chemikalien auf die Umwelt hatte, ausgehend von Rachel Carsons aufrüttelndem Buch "Silent Spring" [1], um diese Zeit bereits zu einer europäisch harmonisierten Gesetzgebung geführt, die aber nur die neu in Verkehr gebrachten Stoffe regelte. Die überwältigende Mehrzahl der rund 100 000 sog. "Altstoffe" war nur unzureichend untersucht und viele wurden selbst in entfernten Weltgegenden analytisch nachgewiesen. Zur Bewertung dieses Sachverhaltes und über die zu ergreifenden Maßnahmen tobte damals eine wahre Schlacht zwischen den ökologisch motivierten Chemikern und der chemischen Industrie. Ian Meerkamp van Emden stand nun vor der schier hoffnungslosen Aufgabe, von dieser Konfrontation weg zu einem Dialog zu kommen. Das ist ihm innerhalb weniger Jahre meisterhaft gelungen. Seine Fähigkeit zuzuhören, den politischen Gegner ernst zu nehmen und sich auf die durchaus lösbaren Sachfragen zu konzentrieren, hat die Auseinandersetzung entemotionalisiert und hat zu einem Paradigmenwechsel in weiten Bereichen der chemischen Industrie geführt. Die Polemik verlor peu à peu an Schärfe und ist heute in Teilbereichen sogar einer Kooperation gewichen. Unterstützt wurde er im VCI von Prof. Eberhard Weise, damals Mitglied des Vorstands der Bayer AG. Aber auch nicht der chemischen Industrie angehörige, neutrale Institutionen, wie die Evangelische Akademie Tutzing in Person von Dr. Martin Held, trugen durch offene Diskussionsveranstaltungen zur Entkrampfung der chemiepolitischen Kontroverse bei.
Zum Jahresende 1994 schied Ian, wie ich ihn von hier ab nennen will, weil die langjährige Kooperation in diversen Gremien von gegenseitiger Hochachtung zu Freundschaft geworden war, aus dem VCI aus. Dem VCI blieb Ian noch für zwei Jahre als Senior Advisor für ein Projekt zur Früherkennung von Gefahren auf europäischer Ebene verbunden. Dieses Projekt wurde nach der Pilotphase nicht weitergeführt, gerade als sich die ersten Erfolge zeigten; es ist nachzuempfinden, dass das schmerzhaft für ihn war. Doch auch was Gutes war dabei: es verblieb nun mehr Zeit für den Aufbau des Alpenforum , das er nur zwei Wochen nach seiner Pensionierung in Murau (Steiermark), in der Nähe seines Zweitwohnsitzes gegründet hatte. Damit begann ein neuer Abschnitt in Ians Leben, der zu zahlreichen neuen Aktivitäten führte. Ohne auf die Einzelheiten einzugehen, möchte ich auf die grundsätzliche Positionierung des Alpenforum hinweisen. Es handelt sich keineswegs "nur" um Umweltschutz, sondern auch um die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Alpenraums und damit um die Nachhaltigkeit des Lebens in den Alpen. In der heute allgemein akzeptierten Interpretation bedeutet Nachhaltigkeit, dass Ökologie oder Umweltschutz, Ökonomie und Soziales aufeinander abgestimmt werden müssen. Die schönste Natur nützt nichts, wenn die Menschen keine Arbeit haben oder unter unwürdigen politischen und sozialen Verhältnissen leben müssen. Die Aktivitäten des Alpenforum - vor allem Tagungen und kleinere Workshops, Befragungen, Besichtigungen und Diskussionen, und auch viele weniger sichtbare Maßnahmen im Hintergrund, z.B. Kontakte mit Politikern und Behörden - waren von Beginn an den "drei Säulen" der Nachhaltigkeit orientiert. Die meisten Veranstaltungen fanden wohl zum Thema Holz statt, von der ungenügenden Nutzung bis zu modernen Verarbeitungstechniken. Ein besonderes Anliegen war für Ian der Klimaschutz, lange vor der jetzt wiederentdeckten politischen Bedeutung des Themas, und die Frage, was der einzelne Bürger dazu beitragen kann. Sehr früh hat er auf die großen Fortschritte bei den Passivhäusern hingewiesen. Diese waren auch ein wichtiges Thema bei der letzten Veranstaltung des Alpenforum Deutschland e.V. über erneuerbare Energien im April 2007 in Bad Homburg [2]. Tatkräftig unterstützt wurde Ian von seiner Frau Ingeborg, die neben ihrer Aufgabe als Mutter von drei Kindern eine eigene Karriere in der Naturheilkunde machte.
Von den Ehrungen möchte ich die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band für Verdienste zur Förderung des Umweltgedankens sowie des Dialogs zwischen den gesellschaftlichen Gruppen (1990) und die Ludwig Erhard Medaille des CDU Wirtschaftsrats, dem Ian viele Jahre angehörte, erwähnen.
Ian war ein Mann der Tat, eine große Persönlichkeit. Wir vermissen ihn sehr.
Requiescat in pace!
Walter Klöpffer
[1] Carson, R.: Silent Spring. 1st edition by Houghton Mifflin, USA 1962
[2] Meerkamp van Embden, I.: Erneuerbare Energie - Heute und Morgen. UWSF-Z. Umweltchem. Ökotox. 19 (2007) 152-153