Perspektiven einer zukunftsorientierten Energiepolitik

Einführungsreferat anlässlich der Vortragsveranstaltung des ALPENFORUMs
"Perspektiven einer zukunftsorientierten Energiepolitik"
in Bad Homburg am 03. März 2006

Ian C. Meerkamp van Embden

Das globale Wirtschaftswachstum heizt den Verbrauch der nur begrenzt verfügbaren fossilen Energieträger immer stärker an. Geht es in diesem Tempo weiter, müssen wir innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte mit einem Anstieg des weltweiten Primärenergieverbrauchs um 40 % auf rund 20 Mrd. Tonnen Steinkohleeinheiten und mit einem entsprechenden Anstieg der Kohlendioxidemissionen rechnen.
Klimaexperten gehen davon aus, dass ein Anstieg des atmosphärischen C02- Gehalts auf 500 ppm zu einer Erhöhung der globalen Temperatur um 2°C führen wird und dass ab diesem Wert der anthropogen verursachte Anteil des Klimaeffekts dann nicht mehr korrigierbar sein wird.

Aber selbst wenn diese Einschätzung sich als fehlerhaft erweisen sollte, muss jedem klar sein, dass ein Weitermachen wie bisher in eine gefährliche Sackgasse führen wird.
Es liegt deshalb in unserem ureigensten Interesse, den Einsatz fossiler Energieträger energischer als bislang zu begrenzen und den Ausbau regenerierbarer Energie zu forcieren.
Die Europäische Union deckt ihren Primärenergiebedarf derzeit zu 50 % durch die Einfuhr der fossilen Energieträger Erdöl, Gas und Kohle. Bis zum Jahr 2030 wird diese lmportquote fast 70 % erreichen, falls wir nicht gegensteuern. Zweidrittel dieser Lieferungen stammt aus Ländern mit labilen sozialen, ökonomischen und politischen Strukturen.

Welche Position nehmen wir in Deutschland in dieser Entwicklung ein?

Der letzte deutsche Energieplan stammt aus dem Jahr 1980. Es wird höchste Zeit, ein der heutigen Situation angemessenes, strategisch ausgewogenes, zukunftsorientiertes und international kompatibles Energiekonzept zur Sicherung unseres Energiebedarfs zu erstellen.
Die von der Bundesregierung in diesen Tagen angekündigte Energiekonferenz wird - so hoffen wir - neue und sinnvolle Energieakzente setzen.

Ich werte es deshalb als ein ermutigendes Signal, dass Bundeskanzlerin Angela Merke! anlässlich des Besuchs vom britischen Premierminister Blair in Berlin die Absicht bekundet hat, eine Initiative zum Aufbau einer gemeinsamen EU-Energiepolitik zu ergreifen.

An der erforderlichen Weichensteilung sollten wir uns - soweit realistischerweise möglich - gemeinsam beteiligen. Hierzu wollen auch wir einen kleinen Beitrag zu leisten. Das ist nicht zuletzt der Sinn und Anlass der heutigen Vortragseinladung des ALPENFORUMS

Entscheidungen der Politik hinsichtlich unserer zukünftigen Energieversorgung ist sicher nicht unberechtigt. Aber leider übersehen wir dabei nicht selten, dass wir als Bürgerinnen und Bürger durchaus über ein vergleichsweise breites Spektrum an Möglichkeiten verfügen, den konkreten Energieverbrauch ganz ~" persönlich beeinflussen zu können. Gefragt ist ein gewisses Maß an Eigeninitiative, aber daraus erwachsen auch echte Chancen.

Hierzu ein Beispiel:
Von der gesamten Endenergie, die Deutschland in einem Jahr verbraucht, fließt rund ein Drittel in die Haushalte, davon 87 % für Raumwärme und Warmwasser.
Da sollten wir uns doch einmal fragen: Haben wir die verfügbaren technischen Möglichkeiten und finanziellen Fördermaßnahmen eines sparsameren Verbrauchs von elektrischem Strom und Heizwärmebedarf in unseren eigenen vier Wänden wirklich genutzt? Und haben wir unseren Heizenergiebedarf und die damit verbundenen Kosten durch sinnvolle Sanierungsmassnahmen in der Wohnung zumindest teilweise abgefedert?

Wir verfügen derzeit also über weitgehend ungenutzte Möglichkeiten einer größeren Unabhängjgkeit vom Diktat des Energiemarktes, falls es gelingt, die noch bestehenden Preisunterschiede im Vergleich zum Preisniveau der fossilen Energieträger auszubauen. Die konkrete Umsetzung solcher Optionen wird außerdem die Erfüllung unserer Verpflichtungen zum internationalen Kyoto-Protokoll erleichtern.