Murauer Zeitung 10. August 2002, Seite 26
Nachhaltiger Sommertourismus - Ein Tourismus mit den Menschen, die in der Region wohnen
"Nur wenn es in der Region noch etwas anderes gibt als den Tourismus, dann ist dieser erträglich für Mensch und Umwelt!"
VON NORBERT WALLNER![]() |
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Im Brauhaus Murau fand kürzlich eine Konferenz um Thema "Nachhaltiger Sommertourismus" statt. Die Veranstaltung erfolgte in Zusammenarbeit des ALPENFORUM International mit dem Ökoinstitut Berlin/Darmstadt/Freiburg und dem Tourismusverband MurauStolzalpe-Ranten. Die Konferenz stellte gleichzeitig einen Beitrag des ALPENFORUM zum Internationalen Jahr der Berge 2002 und zum Internationalen Jahr des Ökotourismus 2002 dar. "Es fehlt nicht an Bemühungen zur Entwicklung von Tourismusstrategien, die eine gleichmäßigere, über das Jahr verteilte und nachhaltiger orientierte Nutzung des Fremdenverkehrs ermöglichen sollen. Meist bleiben jedoch solche Initiativen in den Anfängen stecken", sagte der Präsident des ALPENFORUM, Dr. Dipl.-Ing. Ian C. Meerkamp van Embden.
"Erfreulicherweise gibt es aber auch eine Reihe erfolgreich umgesetzter Modelle für einen qualitätsbewußten und naturgerechten Tourismus gerade auch außerhalb der Wintersaison". Präsident Dr. lan C. Meerkamp van Embden erläuterte in seinem Einführungsreferat, was "nachhaltiger Sommertourismus" ist: Nachhaltigkeit setzt Dauerhaftigkeit voraus. Das ist nur bei sinnvoller Nutzung der verfügbaren Ressourcen möglich, das heißt Minimierung der ökologischen Beeinträchtigung und Erhalt der biologischen Vielfalt und des Naturkapitals einerseits, eine gesunde soziale und kulturelle Entfaltungsmöglichkeit der Bevölkerung und ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage andererseits.
Eines steht für den Präsidenten des ALPENFORUM fest: "Eine chronische Übernutzung des Naturkapitals in einer bestimmten Region, sei es als Folge einer mangelhaften Raumordnung oder einer bedenkenlosen Erschließung noch verfügbarer Naturreserven, ist für jedes Konzept einer nachhaltigen Tonrismusentwicklung tödlich!". Es stellt sich die Frage nach Belastbarkeit einer Region durch Tourismus. Die Grenzen touristischer Belastbarkeit müßten definiert werden.
Wichtig ist die Erhaltung des Naturkapitals, wichtig ist die Einbeziehung der heimischen Bevölkerung in touristische Entscheidungen.
Für einen erfolgreichen Sommertourismus bedarf es natürlich auch gezielter
Werbung. "Unter Einsatz moderner Kommunikations- und
Informationsmethoden", betonte Dr. Meerkamp van Embden.
"Ausdrücklich sei hier das Internet genannt, das im modernen
Online-Tourismusmanagement zukünftig eine immer größere Rolle spielen wird.
In den Internet-Präsentationen vieler Regionen im Alpenraum vermisse ich vor
allem konkrete und aktuelle Informationen, so etwa aktive Programme zur
umweltverträglichen Freizeitgestaltung, sportliche oder kulturelle
Initiativen, spezielle Serviceleistungen der Hotellerie oder innovative
Mobilitätsangebote". Der ALPENFORUM-Präsident ging dann auch auf die
Altersstruktur der Bevölkerung ein. Die Lebenserwartung ist enorm
angestiegen. Bald ist jeder dritte Bürger über 60 Jahre alt. Dr. Meerkamp van
Embden brachte als Beispiel eine Untersuchung über das Alter der Sommergäste
im Zillertal: Nur 12 Prozent der befragten Sommergäste waren jünger als 41
Jahre, aber 88 Prozent älter. Dies zeige, wie fragwürdig
Sommertourismuskonzepte sind, die sich überwiegend oder gar ausschließlich auf
junge Zielgruppen konzentrieren.
Präsident Dr. Meerkamp van Embden kam auch auf das Konzept der sogenannten Biosphärenparks zu sprechen. "Biosphärenparks sind keine Naturschutzgebiete im üblichen Sinn. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept zur Entwicklung einer Region, in der die wirtschaftlichen und sozialen Anliegen der Bevölkerung und die Notwendigkeit des Naturschutzes in sinnvoller Weise integriert werden". Einen Biosphärenpark Oberes Murtal könne er sich gut vorstellen, sagte er. Zusammenfassend stellte er fest: "Nachhaltiger Tourismus einschließlich Ökotourismus und ganz besonders ein nachhaltiger Sommertourismus versteht sich als Symbiose von wirtschaftlicher Entfaltung, Schonung der Natur, Förderung von Brauchtum und Kultur in einer nachhaltig produzierenden Land- und Forstwirtschaft. Es ist ein Tourismus mit den Menschen, die in der Region wohnen . Dem Massentourismus und Mega-Events erteilte er ein klare Absage. |
![]() Dr. Dipl.-Ing. Ian C. Meerkamp van Embden |